Werbung nervt – über Sinn und Unsinn der Adblocker

Erinnern Sie sich noch an das Aufkommen der privaten Fernsehsender? Was hat uns die plötzliche Programmvielfalt begeistert. Der Sendeschluss der öffentlich-rechtlichen Anstalten, nach dem im Fernsehen für mehrere Stunden pro Nacht nur noch schwarz-weißes Rauschen oder ein Testbild zu sehen war, war plötzlich kein Grund mehr, den Fernseher auszuschalten. Die Privaten liefern (mal mehr, mal weniger gehaltvolles) Programm rund um die Uhr, denn Sendezeit bedeutet gleichzeitig, Möglichkeiten der Monetarisierung zu schaffen – über Werbung. Somit sind sie Fluch und Segen zugleich: Einerseits garantieren Sie bis heute häufig Ausstrahlungen von großartigen Filmen im TV zum Nulltarif, andererseits ist das Sehvergnügen immer durch Werbung unterbrochen. Adblocker für’s TV wären vermutlich eine lukrative Erfindung.

Adblocker vermeiden die meiste Werbung im Netz

Kann man sich im Fernsehen noch auf die Werbung einstellen und die Pausen sinnvoll planen, ist das im Internet schon schwieriger. Hier trifft uns Werbung unvorbereitet, in allen erdenklichen Formen und überall. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Internetgemeinde Gegenmaßnahmen einfallen ließ und Adblocker entwickelte. Ein Ergebnis daraus, dass beim Aufruf mancher Seiten im Web so viel Werbung aufpoppt, dass man lange damit beschäftigt ist, alle Fenster und Banner wieder zu schließen. Was zeitaufwendig werden kann, wenn der Button zum Schließen häufig gut versteckt ist. Adblocker halten den Großteil unserer Lieblingsseiten werbefrei, sodass wir uns ganz den gewünschten Inhalten widmen können. Wer schon mal einen Adblocker eingesetzt hat, weiß, dass das Surfen im Netz dadurch eine ganz neue Qualität erhalten kann. Es spricht nichts gegen die Gleichung: Werbefreies Netz verspricht mehr Spaß im Netz. Oder gibt es eine Kehrseite?

Adblocker selektieren Inhalte

Werbung dient selbstverständlich den werbetreibenden Unternehmen zur Erhöhung des Absatzes. Das sollte man nicht immer nur verfluchen, denn wer Werbung mit offenen Augen verfolgt, hat häufig die Möglichkeit, durch tagesaktuelle Angebote echte Schnäppchen zu machen. Adblocker können dem User also auch einen Nachteil verschaffen. Ferner finanziert Werbung indirekt Informationen, denn einige renommierte Tageszeitungen und Wochenzeitschriften finanzieren ihre Berichterstattung dadurch und ermöglichen auf diese Weise kostenlosen, aber gut recherchierten Journalismus für alle Internetnutzer. Das Argument, dass Journalisten möglicherweise ihre Integrität verlieren und wohlwollender über werbende Unternehmen berichten, war schon aktuell als die ersten Anzeigen in Tageszeitungen geschaltet wurden. Hier bleibt uns nur die Hoffnung auf die Ehre und den Berufsethos der Journalisten. Kritisch sollte man Adblocker auch deshalb betrachten, weil es offensichtlich eine Whitelist gibt, in die sich zahlungskräftige Unternehmen einkaufen können, damit ihre Anzeigen nicht geblockt werden, wie ein Bericht bei heise.de zeigt. Die vollkommene Integrität von Betreibern der Adblocker sollte deshalb als fraglich eingestuft werden.

Werbung kann sich nur selbst retten

Wie sieht die Lösung für Werbung aus? Die Antwort ist simpel. Werbung stört uns überall dort nicht, wo wir sie erwarten können und wo sie uns ein Erlebnis bereitet. Denken wir zum Beispiel an den Kinoabend, bei dem uns die Werbung vor dem Film häufig gar nicht lang und nervig vorkommt, weil Kinowerbung aufwendiger produziert und von höherer Qualität ist. Oder denken wir an den amerikanischen Super Bowl, den weltweit viele Millionen Zuschauer auch deshalb sehen, weil sich werbetreibende Unternehmen für dieses Event selbst übertreffen und Jahr für Jahr lustige, berührende oder imposante Spots schalten. Es ist wie so häufig die Qualität, die den Unterschied macht. Adblocker werden nur dann überflüssig, wenn wir anfangen, innovative Werbeformate zu entwickeln, die den User mitnehmen, ihn nicht nerven und stattdessen bewusst wahrgenommen werden.

Hier getaggt:,
David Remmler
Über 
David Remmler ist Marketing Manager bei der netclusive GmbH. In guten wie in schlechten Zeiten hält er zum 1. FC Köln, er mag die rote Asche des Tennisplatzes und er hat sich damit abgefunden, dass in seinen Skiurlauben immer schlechtes Wetter ist.

Keine Kommentare

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  Newsletter abonnieren (jederzeit wieder abbestellbar)