Recruiting 4.0 – Mitarbeiter binden statt neue finden

Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt mit den Mitarbeitern. Gute Arbeitskräfte zu fin­den, das ist das eine, sie zu halten, das andere. Doch was motiviert und bindet Mitarbeiter an ein Unternehmen? Gehalt? Dies trifft nur bedingt zu, denn die heutigen Anforderungen sind viel komplexer. Worauf es bei der Mitarbeiterbindung ankommt, beleuchten wir in diesem letzten Teil unserer dreiteiligen Serie „Recruiting 4.0“.

Der versierte Kollege, der sich auf Grund eines schlechten Betriebsklimas vom Mitbewerber abwerben lässt – keine Seltenheit. Mit ihm gehen nützliches Know-how und im schlimmsten Fall auch wertvolle Kundenkontakte oder Ähnliches geradewegs zur Konkurrenz.  

Das Betriebsklima ist nur eine Stellschraube, an der zur Mitarbeiterbindung gedreht werden sollte. Der Vorteil geringer Fluktuation: Weniger neue Mitarbeiter müssen eingestellt und eingearbeitet werden müssen – dies fördert die Produktivität nachhaltig. Zudem entfallen Kosten für neue Stellenanzeigen und Zeitaufwand für das Recruiting.

Gießkannenprinzip oder gezielte Strategie

Es gibt zahlreiche Maßnahmen, die zur Mitarbeiterbindung beitragen. Dabei kann es zum einen sinnvoll sein, das Gießkannenprinzip anzuwenden, indem alle Mitarbeiter zum Beispiel von Neuerungen im Arbeitsumfeld profitieren. Zum anderen lohnt sich auch eine gezielte mit­arbeiterbezogene Strategie, beispielsweise im Rahmen eines Belohnungssystems. Somit wird durch das Gießkannen­prinzip das Gemeinschaftsgefühl gefördert und darüber hinaus der einzelne Mit­arbeiter belohnt. Eine Ungleichbehandlung kann jedoch schnell zu Unstimmigkeiten und Neid führen. Hier sollte diplomatisch und fair gehandelt werden, so dass das Arbeitsklima nicht darunter leidet.

Arbeitsumfeld trifft Work-Life-Balance

Zu einem guten Arbeitsklima trägt auch der Wohlfühlfaktor bei. Dieser wird unter anderem durch das passende Arbeitsumfeld beeinflusst. Mitarbeiter, die sich gerne an ihrem Arbeitsplatz be­finden und ihre Aufgaben und Ziele kennen, sind weniger krank, moti­vierter und leistungsstärker. Daher ist es wichtig, dass Unternehmen Mit­arbeitern ein ange­nehmes Arbeitsumfeld schaffen und diese bei der Strukturierung und Organi­sation ihrer Tätig­keiten unterstützen. Diese Maßnahmen sollten durch moderne technische Mittel wie Laptops, Smartphones, aber auch durch Software-Lösungen zur Kollaboration und agilem Arbeiten und vieles mehr gefördert werden.

Ausgeglichenheit durch Work-Life-Balance

Da der Arbeitsplatz nur ein Teil unseres Lebens ist, gewinnt die harmonische Kombination aus Leben und Arbeiten immer mehr an Bedeutung. Eine gesunde Work-Life-Balance schafft Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Und mit sinkendem Stresslevel steigt die Produktivität. Die Work-Life-Balance kann mit flexiblen Arbeitszeiten wie Gleitzeiten oder Home-Office-Optionen gefördert werden. So erhält der Mitarbeiter mehr Handlungsfreiheit. Zudem können beispiels­weise Sportangebote und Erholungsräume für Pausen hierfür förderlich sein.

Feedback, flache Hierarchien & Co.: Modernes Arbeiten auf Augenhöhe

Sind die Rahmenbedingungen durch das Arbeitsumfeld in Balance, so ist ein wichtiges Grund­gefüge im gesamten Unternehmen geschaffen. Auf dieser Basis kann sich auf den Menschen mit seinen Stärken fokussiert werden: Talente erkennen, Mitarbeiter sinnvoll fordern und fördern, gemäß ihren Fähigkeiten. Und dies findet heute nicht klassischerweise „von oben nach unten“, sondern zunehmend auf Augenhöhe statt. Flache Hierarchien sind gefragt. Sie bauen Barrieren ab und geben den Mitarbeitern ein gutes Gefühl.  

Dazu können Teams gebildet werden und sich im Sinne von „Social Leadership“ selbst organisieren. Der Trend aus den USA führt zu einer höheren Selbstverantwortung sowie besseren Motivation des Einzelnen. Auch sollten die Mitarbeiter in Entscheidungs­prozesse eingebunden und bei der Prioritätensetzung unterstützt werden. Dazu sollten regel­­mäßig Gespräche und Feedback stattfinden. Denn ein aussagekräftiges Feedback auf beiden Seiten ist bedeutend für die Weiterentwicklung und Zusammenarbeit. Der kontinuierliche Dialog ist einer der wichtigsten Hebel, um die emotionale Bindung am Arbeitsplatz zu erhöhen.

Teambuilding fördern – Mitarbeiter (ver)binden

Nicht nur die Bindung zwischen Chef und Mitarbeiter ist essenziell, sondern das gesamte Team sollte harmonieren. Verstehen sich die Kollegen untereinander und arbeiten gut zusammen, so kann dies ein entscheidender Grund sein, in diesem Unternehmen weiterhin arbeiten zu wollen.

Dazu tragen beispielsweise Team-Building-Maßnahmen und Events bei: Ein Kochkurs für die gesamte Belegschaft, ein Kreativ-Workshop, ein Karaoke-Abend, sport­liche Aktivitäten und vieles mehr steigern das Wir-Gefühl aller Beteiligten – ganz gleich, in welchen Abteilungen sie arbeiten und welche Titel sie tragen.

Fazit zur Mitarbeiterbindung:

Aber auch besondere Vorteile und Vergünstigungen steigern die Motivation und Zufriedenheit im Team. Damit kann sich ein Unternehmen von anderen Arbeit­gebern abheben. Beispielsweise sind Essensgutscheine für gemeinsame Mittagspausen, Essenszulagen, Fahrtkostenzuschüsse, Personalrabatte, Sportangebote, mobile Endgeräte zur privaten Nutzung, Home-PC und Internetpauschalen adäquate Mittel, um den Mit­arbeitern zusätzliche Wertschätzung zu geben.

Ein Unternehmen benötigt loyale qualifizierte Mitarbeiter, die langfristig so zufrieden sind, dass sie keinen Wechsel anstreben. Eine offene und respektvolle Unternehmenskultur sowie entsprechende Vorteile für den Mitarbeiter zahlen sich dabei aus. Hinsichtlich der Mitarbeiter­bindung wiegt dies oft sogar schwerer als finanzielle Faktoren.

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Sven Eulberg
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Sven Eulberg ist einer der Gründer und Geschäftsführer der netclusive GmbH. Als Technik-Geek ist er immer auf der Suche nach Innovationen und Trends.