Onlinehandel und Facebook-Marketplace: geht das zusammen?

eBay-Kleinanzeigen und ein Flohmarkt in der Nachbarschaft – so ungefähr funktioniert der Facebook-Marketplace. Nutzer verkaufen dort kostenfrei alltägliche Dinge: Socken, Schränke, Küchen, DVDs & Co. In Deutschland und 16 weiteren Ländern ist der Marketplace derzeit verfügbar. Angesichts der starken Reichweite und des Potenzials von weltweit zwei Milliarden Facebook-Nutzern könnte der Marktplatz auch gewerblichen Verkäufern zu neuen Einnahmequellen verhelfen. Wie lukrativ ist dies wirklich und hat Facebook das Potenzial, es mit den Marktführern Amazon und eBay aufzunehmen?

Foto hochladen, Produktinformationen eingeben, Kategorie und Ort einstellen – ein kostenfreies Inserat bei Facebook ist mit wenigen Klicks erstellt. Für Privatpersonen bietet diese Plattform eine gute Möglichkeit, um Gebrauchtes oder Neues zu verkaufen. Doch lohnt es sich auch für gewerbliche Verkäufer?

Von Nutzungsbedingungen, Richtlinien & Co.

Die Nutzungsbedingungen von Facebook für den Marketplace verstecken sich in unterschiedlichen Reitern. Auf den ersten Blick sind diese nicht ersichtlich, da sie verstreut unter anderem in den Gemeinschaftsstandards, den Facebook-Richtlinien und den Marketplace-Richtlinien stecken. Dies erschwert es dem Nutzer, zu erkennen, was erlaubt ist und was nicht. Aus den Richtlinien, die zwischen privaten und gewerblichen Verkäufern unterscheiden, ergibt sich allerdings, dass Händler berechtigt sind, den Marketplace zu nutzen.

Verboten ist dabei der Verkauf von illegalen Artikeln wie Waffen. Vor einem Handel über den Facebook-Marketplace ist in jedem Fall ein Blick in die Nutzungsbedingungen erforderlich.

Wie funktioniert der Facebook-Marketplace?

Beim Facebook Marketplace ist ein Inserat kostenfrei – ein entscheidendes Argument.  Dieser Vorteil wird jedoch gleich wieder ad absurdum geführt, denn es fehlt: der Kaufbutton. Ein Inserat ist nämlich für den Händler unverbindlich. Das bedeutet, dass es letztlich nur ein Angebot ist, aber das Produkt muss nicht verkauft werden.

Wer etwas verkaufen möchte, lädt ein Bild des Artikels hoch, gibt dazu eine kurze Beschreibung sowie den Kaufpreis ein und schon kann es losgehen. Der Interessent nimmt über das Inserat direkt mit dem Verkäufer via Facebook-Nachricht Kontakt auf.

Für den potenziellen Käufer ist es oftmals schwierig einzuschätzen, wie seriös das Angebot wirklich ist. Private Nachrichten werden getauscht, bis es zum Vertragsabschluss kommt, denn dieser wird komplett über den Facebook-Messenger abgewickelt. So muss eine Einigung beider Parteien entstehen, bevor der Kauf gültig wird. Gegenüber der Abwicklung über eBay und Amazon entstehen somit Hürden, die einen höheren Aufwand und Risiken bedeuten.

Auch die Bezahlung müssen die Marketplace-Nutzer unter sich regeln. In den USA bietet Facebook dafür einen eigenen Bezahlservice an: Dort lässt sich Geld einfach über den Messenger verschicken. Hierzulande ist dieses System vorerst nicht vorgesehen. Hier wird unter anderem Vorkasse, aber insbesondere PayPal empfohlen, denn in Betrugsfällen kann das Geld über PayPal jederzeit zurückgeholt werden.

Eher privater Charakter, aber Potenzial für gewerblichen Handel

Ergo: Derzeit hat der Facebook-Marketplace noch eher einen privaten Charakter, aber das Potenzial für den gewerblichen Handel ist vorhanden. Denn Facebook gehört für zahlreiche Menschen zum Alltag – viele bewegen sich mehrere Stunden pro Tag auf der Plattform. Wer online ist, um das aktuelle Tagesgeschehen seiner Freunde und Mitmenschen zu verfolgen, der schwenkt schnell mal in den Shop um und lässt sich inspirieren oder er erhält von einem Freund eine direkte Kaufempfehlung. Dieses „zufällige Einkaufserlebnis“ kann einen Vorteil gegenüber Amazon und eBay darstellen, bei denen ein Besuch in der Regel nur gezielt stattfindet.

Bei Amazon und eBay geht es dafür sicherer zu: Hier müssen Nutzer bei der Registrierung ihre Identität nachweisen und anhand der Bewertungen lässt sich einsehen, ob das Gegenüber seriös handelt. Dafür wird eine Einstellgebühr sowie eine Provision bei erfolgreichem Verkauf fällig, was bei Facebook entfällt, denn der Marketplace ist kostenfrei. Der Mehrwert liegt bei Facebook somit auf finanzieller Seite sowie in der „Barrierefreiheit“.

David Remmler
Über 
David Remmler ist Marketing Manager bei der netclusive GmbH. In guten wie in schlechten Zeiten hält er zum 1. FC Köln, er mag die rote Asche des Tennisplatzes und er hat sich damit abgefunden, dass in seinen Skiurlauben immer schlechtes Wetter ist.