Emoji-Fail: Kleines Icon – große Verwirrung

Er sagt oft mehr als 1000 Worte, und dennoch ist der Empfänger manchmal nicht richtig im Bilde: Die Rede ist vom Emoji. Kein Message-Element ist so beliebt wie er, aber gleichzeitig sind Missverständnisse vorprogrammiert. Denn die kleinen Icons transportieren Emotionen und bewegen sich auf der Wahrnehmungsebene – Bildschirm frei für Interpretations­spielraum. Hinzu kommen internationale und technische Fallstricke.

Während Smileys oder Emoticons in Form von Gesichtern primär Gefühle ausdrücken, gehen Emojis noch darüber hinaus: Sie sind kleine Piktogramme – und kommen als Smiley, Kleeblatt oder Flugzeug daher. Emojis wurden in den 1990ern von dem japanischen Telekommuni­kationskonzern DoCoMo entwickelt und haben daher ihren Ursprung in Japan. Übersetzt heißen sie „Bildschriftzeichen“. Auch wenn das Emoji in Japan erfunden wurde, hat es mittlerweile die ganze Welt erobert.

Emoji, was möchtest du uns sagen?

Die Bedeutungen der kreativen Icons liegen auf den ersten Blick auf der Hand: Freude bedeutet lachendes Smiley und Trauer weinendes – eindeutiger geht’s nicht. Das denken wir zumindest. Aber die kleinen Symbole haben es faustdick hinter ihren (meist nicht vorhandenen) Ohren, denn sie verkörpern letztlich das, was der Betrachter in ihnen sehen möchte.

So kann zum Beispiel das Smiley mit der aus dem Mund hängenden Zunge zum Lapsus werden: Während der Absender mitteilen möchte, dass ihm das Essen geschmeckt hat, interpretiert sein Gegenüber im Zweifelsfall, man wolle ihm die Zunge herausstrecken.

Noch spannender wird es, wenn die Piktogramme Text nicht nur ergänzen, sondern ersetzen – und dahin geht der Trend. Jemand möchte sagen „Ich beeil mich. Hab dich lieb“ und verschickt symbolisch einen Krankenwagen (stellvertretend für Eile) und ein Herz (für Liebe). Das könnte den Puls des Empfängers schlagartig in die Höhe treiben, wenn er denkt „Krankenhaus? Herzinfarkt?“.

Emojis haben aber auch aus technologischer Sicht einen entscheidenden Haken: Unterschiedliche Geräte – unterschiedliche Bedeutungen. Denn sie werden nicht auf jedem mobilen Endgerät exakt gleich dargestellt. So sieht auf dem iPhone ein grinsendes Smiley anders aus als beispielsweise bei Google Hangout. Viele Emojis werden dadurch missinterpretiert und falsch gesetzt.

Ein Beispiel ist das bei iPhone-Benutzern als High-Five beliebte Emoji. Unter anderen Betriebssystemen zeigt es nämlich deutlich gefaltete bzw. betende Hände. Dies ist die korrekte Variante, wie sie in Japan geboren und beabsichtigt wurde. Denn im Emoji-Ursprungsland folgen gefaltete Hände Ritualen, die dort täglich zelebriert werden.

Daneben spielt der kulturelle Hintergrund eine entscheidende Rolle. Beispielsweise in den fernöstlichen Ländern bedeuten die Icons teilweise etwas völlig anderes als in Deutschland oder anderen Kulturen. So wird das vor Tränen lachende Smiley – wie es im Westen aufgefasst wird – im arabischen Raum vorwiegend als traurig interpretiert.

Auch das Smiley mit schnaubender Nase, das im Westen der Erde primär als Symbol für Wut eingesetzt wird, hat in östlichen Gefilden eine andere Intention: Das Emoji ist hier eigentlich Synonym für Triumph.

Die Lösung? Viele Icons – ein Look

Aber da Entwickler auf Lösungen programmiert sind, gibt es Ansätze: Standardisierte Emojis. Das Unicode-Konsortium – eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Kalifornien – sorgt dafür, dass sich unterschiedliche Computer und Programme untereinander verstehen und erstellt entsprechende Richtlinien. So kommt ein verschicktes A auch als A beim Empfänger an – ganz gleich, welches Gerät er gerade verwendet oder in welchem Breitengrad er sich aufhält.

Auch Emojis fallen unter diese Regelungen. Ein lachendes Smiley bleibt ein lachendes Smiley,  Kleeblatt bleibt Kleeblatt und wütendes Smiley bleibt wütend. So in der Theorie. Allerdings weicht diese in der Praxis ab. Das Konsortium liefert nämlich ausschließlich die Beschreibungen und ein Beispiel für das äußere Erscheinungsbild. So entstehen dennoch unterschiedliche Stile, da Apple andere Designs, Farben und Formen verwendet als beispielsweise Samsung.

Einige Big Player wie beispielsweise Facebook haben allerdings bereits standardisierte Emojis eingeführt und sie an alle Endgeräte angepasst. Im Facebook-Messenger sehen Emojis nun auf allen Plattformen gleich aus: ob auf dem Android-Smartphone, iPhone oder im Browser.

Fazit: Ein einheitlicher Look schafft nicht automatisch die Verwirrung ab – denn Menschen besitzen eine unterschiedliche Wahrnehmung. So wird ein Emoji zwar immer eine beliebte und wichtige Ergänzung zu einer Message bleiben – kann aber niemals das geschriebene oder gar gesprochene Wort ersetzen.

David Remmler
Über 
David Remmler ist Marketing Manager bei der netclusive GmbH. In guten wie in schlechten Zeiten hält er zum 1. FC Köln, er mag die rote Asche des Tennisplatzes und er hat sich damit abgefunden, dass in seinen Skiurlauben immer schlechtes Wetter ist.