Mobile Payment oder Bargeld – was ist effektiver?

Der Konsument in Deutschland zahlt am liebsten mit Bargeld. So das Klischee. Aber wie sieht die Praxis aus? Eine Studie der Deutschen Bundesbank zeigt, dass Mobile Payment in Deutsch­land zunehmend an Akzeptanz gewinnt. Und an Geschwindig­keit. Bei Beträgen unter 25 Euro lassen sich kontaktlose Bezahl­verfahren per Smartphone und App mittlerweile schneller als Barzahlungen abwickeln. Doch reicht der technische Fortschritt aus, um Bargeld möglicherweise ganz zu verdrängen? Wir beleuchten, welches der aktuellen Bezahlverfahren am günstigsten, praktischsten und schnellsten ist.

Der Einzelhandel in Deutschland verzeichnet jährlich um die 20 Milliarden Transaktionen. Die Mehrheit der Konsumenten zahlt dabei immer noch am liebsten mit Bargeld. Das unterstreicht die Studie „Kosten der Bargeldzahlung im Einzelhandel“ der Deutschen Bundesbank von März 2019. Laut Studie greifen Kunden in rund drei von vier Fällen zu Scheinen und Münzen.

Warum greifen deutsche Konsumenten bislang vorzugsweise zu Bargeld?

Die Studie der Deutschen Bundesbank zeigt, dass sich die Höhe des zu zahlenden Betrags auf die Dauer des Vorgangs auswirkt. Der durchschnittliche Einkaufsbetrag in Deutschland liegt bei 21 Euro. Das Zahlen mit Bargeld erweist sich hier oftmals als Zeitvorteil. Die Kartenzahlung mit PIN nimmt im Schnitt rund 29 Sekunden in Anspruch, die Kartenzahlung mit Unterschrift 39 Sekunden. Bargeldzahlungen kommen dagegen im Schnitt auf rund 22 Sekunden.

Anders sieht es jedoch beim kontaktlosen Bezahlen mit Karte aus. Kartenzahlungen, die keine PIN-Eingabe oder Unterschrift erfordern, erreichen eine durchschnittliche Bezahlzeit von 10 bis 15 Sekunden. Kontaktlose Kartenzahlungen erweisen sich somit effizienter als Bargeldzahlungen.

Der Handel profitiert aktuell von Bargeldzahlungen, da für ihn geringere Kosten entstehen. Berücksichtigt man alle wichtigen Faktoren wie Backoffice, Bargeldentsorgung und Versorgung, Terminals sowie Transaktionsgebühren, so kostet eine Zahlung mit Bargeld rund 24 Cent pro Trans­aktion. Eine Debitkartenzahlung kommt auf etwa 34 Cent. Kreditkartenzahlungen liegen laut Studie bei knapp einem Euro.

Das Bezahlen mit Bargeld unterliegt jedoch auch Gefahrenquellen. Immer wieder kursieren falsche Banknoten. Wer Falschgeld erhält und weiter verbreitet, gerät automatisch in Verdacht und erleidet zumeist auch einen finanziellen Schaden. Und bei einem Verlust der Geldbörse ist mit einem Schlag auch das gesamte mitgeführte Bargeld verloren. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Konsument gezwungen ist, die benötigten Geldmittel immer bei sich zu tragen.

Mobile Payment wird auch in Deutschland immer beliebter

Obwohl der deutsche Konsument nach wie vor sehr gern mit Münzen und Scheinen bezahlt, so scheint der Thron des Bargelds zu wackeln. Laut Handelsinstitut EHI wurde 2018 in Deutschland erstmals häufiger mit Karte als mit Bargeld bezahlt. Noch kann sich die Mehrzahl der deutschen Konsumenten nicht vorstellen, einmal komplett auf Bargeld zu verzichten, doch die Entwicklung beim mobilen Bezahlen per Smartphone und App hat die starke Stellung des Bargelds nachhaltig erschüttert. Einige Finanzexperten prophezeien sogar, dass Bargeld in spätestens zehn Jahren keinerlei Rolle mehr spielen wird. Dies ist eine Ansicht, die gerade in Deutschland auf erheblichen Widerspruch trifft.

Trend zum bargeldlosen Bezahlen wird beschleunigt durch Google Pay, Apple Pay & Co.

In vielen Ladengeschäften sowie in unzähligen Apps und Online-Shops lässt sich mittlerweile mit mobilen Zahlungssystemen wie Google Pay und Apple Pay bezahlen. Die technische Basis für diese Mobile Payments stellt der „Near Field Communication“-Standard. Alle Smartphones, die über NFC verfügen, sind somit potenzielle Zahlungsgeräte. Diesen Trend haben auch die Banken erkannt. Bei der Sparkasse machen die Zahlungen über die eigene „Mobiles Bezahlen”-App immerhin schon über 5% aller Sparkassen-Transaktionen aus. Die „Mobiles Bezahlen”-App steht Konsumenten wie auch Google Pay seit Sommer 2018 zur Verfügung. Apple Pay zog im Dezember 2018 mit der Einführung seines Bezahlsystems in Deutschland nach. Fürsprecher sehen in mobilen Zahlungsarten einen beschleunigten und bequemeren Zahlungsvorgang, der eine höhere Kunden­akzeptanz nach sich zieht.

Kunde in gläserner Vitrine durch Mobile Payment

Ein Risiko von Mobile Payment liegt auf der Hand: die Gefährdung der Datensicherheit. Der Her­steller eines mobilen Zahlungssystems erhält Zugriff auf sensible Daten des Konsumenten. Er erlangt Kenntnis, welche Einkäufe getätigt wurden und kann sich so ein umfangreiches Interes­senbild des Konsumenten erstellen. Diesem bleibt nur das Vertrauen in den Anbieter, dass dieser seine Daten ausreichend schützt und nicht missbräuchlich verwendet. Das Tauschgeschäft lautet also: Bequemes, einfaches und schnelles Zahlen per Smartphone gegen persönliche Daten.

Fazit zu Mobile Payment

Im Handel nehmen noch viele Kartenzahlungen mehr Zeit als Bargeldzahlungen in Anspruch. Für Händler bedeuten Kartenzahlungen zudem höhere Kosten. Verglichen mit anderen Staaten ist der Zuwachs an bargeldlosen Transaktionen in Deutschland überschaubar. In den skandinavischen Ländern dagegen ist der Einsatz von Bargeld längst nicht mehr erste Option. Ein Problem beim Mobile Payment ist noch die Verfügbarkeit. Der Verbraucher kann zwar mittlerweile in jedem Supermarkt per Smartphone bezahlen, im Einzelhandel oder auf dem Markt kommt er aber oftmals ohne Bargeld nicht aus.

Robert Simon
About 
Robert Simon ist einer der Gründer und Geschäftsführer der netclusive GmbH.