Voice-Marketing: Von Mobile First zu Voice First?

„Alexa, wann ist die Waschmaschine fertig?“ – die digitale Assistentin weiß auf fast alle Fragen eine Antwort und ist zum festen Familienmitglied vieler Nutzer avanciert. Auch Devices wie Google Home und Apple’s HomePod unterstützen den Trend der Sprachsteuer­ung. Der dienstälteste Sprachassistent Siri spricht mittlerweile mit einer halben Milliarde Menschen. Welche Rolle wird „Voice“ für Google & Co. spielen – besitzt die Sprachsteuerung das Potenzial, das Prinzip „Mobile First“ abzulösen?

Nutzer erwarten heutzutage eine Seamless User Experience – über alle Endgeräte und Kanäle hinweg. Somit verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Geräten. Neben Smartphone und Notebook gewinnen Smart-TVs und Smartwatches an Bedeutung. Die Darstellung via Desktop, Mobile und Voice findet dabei Anwendung beim Nutzer. Doch welches Prinzip hat welchen Stellenwert?

Mobile First – Google verstärkt die Relevanz

Wo vor einigen Jahren noch die Desktop-Nutzung Usus war, steht heute Mobile an erster Stelle. Das Prinzip Mobile First, also die Optimierung hinsichtlich mobiler Darstellungen und Funktionalitäten, wird von Google entsprechend hoch eingestuft. Denn der mobile Datenverkehr liegt heute weit über dem der Desktop-Nutzung. Daher bewertet Google weiterhin verstärkt Mobility-Kriterien und hat im März 2018 das Google-Update Mobile First Index ausgerollt. Damit werden Websites künftig noch stärker gemäß ihrer Mobile-Fähigkeit bewertet. Die mobilfähigen Inhalte werden indexiert und für die Rankingberechnungen verwendet. Für Unternehmen gilt demnach aktuell Mobile First.

Aber wird diesem Prinzip ein neuer Trend den Platz streitig machen? Die Sprachsteuerung besitzt hohes Potenzial, um künftig die bevorzugte Methode für Funktionen wie Suche oder Befehle zu werden.

Voice First – das ist situationsabhängig

Voice First gilt derzeit insbesondere in der situationsbedingten Suche. „Siri, wo ist die nächste Tankstelle?“ oder „Erinnere mich an das 16 Uhr Meeting“ – so oder so ähnlich finden derzeit die meisten sprachgesteuerten Befehle Anwendung. In Stresssituationen bleibt häufig keine Zeit für lange Tasteneingaben, die Suche via Voice ist schneller und unkomplizierter. Sie bietet sich daher in spontanen Situationen, beim Autofahren und vielem mehr an. Während nach dem Wetter gefragt wird, sind die Hände frei, um das Mittagessen zuzubereiten.

Ergo erleichtert die Sprachsteuerung somit derzeit insbesondere den Alltag, ersetzt allerdings die Recherche bei komplexen Themenbereichen wie Gesundheit, Urlaub etc. nicht. Möchte ein Nutzer einen Urlaub buchen, so werden bei der Online-Buchung zahlreiche Kennzahlen wie Urlaubsort, Alter der Kinder, Lieblingshotel, Flughafendaten und vieles mehr abgefragt. Per Sprachsteuerung stiftet dies oftmals mehr Verwirrung als Aufklärung, daher wird die Sprachsteuerung bevorzugt für kurze knappe Ansagen genutzt, scheitert aber bei einer komplexen Suche oftmals an ihre technischen Möglichkeiten. Die Suche über Desktop- oder Mobile-Anwendungen ist detaillierter und der Nutzer kann selbst unterschiedliche Parameter definieren und einstellen.

Auch auf andere Anwendungsbereiche – außerhalb der Suchfunktion – trifft dies zu. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: der Mensch ist ein visuelles Wesen und benötigt oftmals Bilder, um Informationen zu speichern. So stößt Voice in vielen Lebensbereichen an die Grenzen. Sollen Kontoauszüge abgefragt werden oder ein Kleid online bestellt werden, so benötigt der Nutzer zum vollständigen Verständnis Bilder. Das Gesprochene wird das Visuelle somit niemals vollständig ersetzen können.

Zudem sind viele Sprachassistenten derzeit technisch noch nicht vollständig ausgereift. Sprache ist emotional und von Dialekten geprägt. Kaum jemand spricht wie er schreibt. Das Ergebnis ist teilweise eine wiederholte Spracheingabe, bis das System diese versteht. So gut die Interaktion mit ­einem Sprachassistenten derzeit in geschlossenen Räumen bezüglich Musiksteuerung, Terminabsprache oder Erinnerungsfunktion auch funktioniert und genutzt wird, umso schwieriger gestaltet sich dies noch an öffentlichen Orten, an denen eine zusätzliche Geräuschkulisse vorhanden ist.

Fazit

Die Sprachsteuerung wird immer ausgereifter und besser darin, aus gesprochener Syntax komplexe Handlungsbefehle abzuleiten. Dennoch sind der Technologie noch naturgemäße Grenzen gesetzt. Die sprachgesteuerten persönlichen Assistenten werden künftig in weiten Teilen des Alltages eine große Rolle spielen, aber weder Desktop noch Mobile komplett ersetzen, sondern stellen eine zusätzliche komfortable Option für bestimmte Anwendungsfelder dar. Jedoch sollten Unternehmen die Sprachsteuerung im Zuge der eigenen Internetpräsenz mittelfristig berücksichtigen. Ebenso wie Google die Mobile-Fähigkeit gewichtet, wird die Suchmaschine die Voice-Fähigkeit gewichten, denn die dahingehende Entwicklung im Zuge der künstlichen Intelligenz ist rasant. Sprachsuche oder Sprachassistenten könnten sich dabei für einige Unternehmen zum Wettbewerbs­vorteil entwickeln.

David Remmler
Über 
David Remmler ist Marketing Manager bei der netclusive GmbH. In guten wie in schlechten Zeiten hält er zum 1. FC Köln, er mag die rote Asche des Tennisplatzes und er hat sich damit abgefunden, dass in seinen Skiurlauben immer schlechtes Wetter ist.