Apple Pay – so funktioniert es für Händler und Kunden

Das iPhone zücken, es kurz ans Terminal halten und schon ist der Bezahlvorgang erledigt. Das Bezahlen wird mit Apple Pay kanalübergreifend zum Kinderspiel und bringt neues Potenzial für den Checkout. Vor vier Jahren startete Apple dieses mobile Bezahlsystem in den USA. Seit Ende des vergangenen Jahres ist dieses auch in Deutschland verfügbar. Noch nehmen nicht alle Geldinstitute teil, aber die Liste der Anbieter wird stetig länger. Apple fordert mit seinem Bezahldienst den Konkurrenten Google, der mit dem Launch eine Nasenlänge voraus war, heraus. Google Pay ist in Deutschland bereits im Juni 2018 gestartet. Was bedeutet der Deutschlandstart genau für die hiesigen Händler? Und funktioniert Apple Pay für jeden Kunden?

Apples Bezahldienst ermöglicht kontaktloses Bezahlen via iPhone, iPad und Apple Watch. Bei der Zahlung mittels diesem mobilen Bezahlsystem werden iPhone & Co. quasi zu einer kontaktlosen Kreditkarte.

Der Bezahldienst steht Kunden sowohl im stationären als auch im Onlinehandel zur Verfügung. Apple Pay funktioniert im stationären Handel über die NFC-Schnittstelle des Kartenterminals, welche auch für kontaktlose Kartenzahlungen genutzt wird. Im Online-Handel wird der Dienst als in den Shop integrierte Zahlungsoption und in Apps angeboten. Wer seine Zahlungskarten beispielsweise in der App „Wallet“ hinterlegt, kann Apple Pay für sichere Zahlungsvorgänge in Ladengeschäften, im öffentlichen Nahverkehr, in Apps und auf Websites verwenden, die diesen Bezahldienst unterstützen.

Nicht für jeden Anbieter eine sichere Bank

Bei dem mobilen Bezahlverfahren handelt es sich somit um ein Multi-Channel-­Zahlsystem, das sowohl im stationären als auch im Online-Handel genutzt werden kann. Doch nicht in allen Fällen funktioniert das, denn Händler, die kontaktloses Zahlen lediglich über die EC-Karte erlauben, schieben diesem Bezahldienst einen Riegel vor.

Für den Verbraucher ist in erster Linie von Interesse, welche End­geräte und Banken dieses mobile Bezahlsystem unterstützen. Während dieser Bezahldienst heute noch bei einigen wichtigen Bankgruppen außen vor ist, soll sich das im Laufe des Jahres ändern. Die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken setzten bisher gänzlich auf eigene Lösungen und stehen aber verschiedenen Presseberichten zufolge in Verhandlungen mit Apple. Banken wie die Deutsche Bank und Hypovereinsbank sind bereits im Boot. Die Commerzbank und die Postbank möchten zunächst die Marktentwicklung beobachten.

Und so funktioniert der Dienst für den Endkunden

Der Endkunde benötigt zum einen ein passendes End­gerät aus der Apple-Produktwelt und zum anderen ein Konto bzw. eine Kredit­karte bei einer der kooperierenden Banken. Für Apple Pay kommen alle iPhones ab iPhone 6 in Frage. Der Dienst ist auch auf einer Apple Watch oder einem iPad Air 2 (oder höher) verfügbar. Kunden einer an Apple Pay teilnehmenden Bank können mit ihrer Kredit- oder Debitkarte den Dienst sofort nutzen. Sollten sie noch keine entsprechende Karte besitzen, so können sie diese virtuell direkt aus der App heraus anlegen und in die Apple Wallet übertragen. Alternativ kann die Kreditkarte innerhalb der Apple-Pay-Ersteinrichtung abfotografiert werden. Der Dienst ist nach diesem Schritt zur sofortigen Nutzung freigegeben.

Nutzern von Apple-Endgeräten, deren Hausbank nicht mit Apple Pay kooperiert, stehen mit Finanzdienstleistern wie American Express und Boon einfache Alternativen zur Ver­fügung. Diese funktionieren für den Bezahldienst ohne Einbindung der Hausbank.

Der Funktionsumfang von Apple Pay ist in Deutschland nur in einem Punkt noch begrenzt: Apple Pay Cash, die Möglichkeit, Geld über iMessage zu versenden, wird bisher nicht angeboten.

Integration von Apple Pay im stationären Handel und E-Commerce

Im stationären Handel kann Apple Pay in der Regel überall dort eingesetzt werden, wo kontaktlose Kreditkarten­zahlung über NFC von Händlerseite installiert ist. Den Händler kostet eine Transaktion mittels Apple Pay nicht mehr als eine übliche Transaktion per Kreditkarte. Dabei bedarf es keiner zusätzlichen Vereinbarung mit Apple. Es werden jedoch Terminals benötigt, die auf aktuellem Softwarestand sind und die Consumer Device Cardholder Verification Method (CDCVM) unterstützen.

Das mobile Endgerät übernimmt die Authentifizierung des Kunden via Abfrage der Touch- oder Face-ID. Der eigentliche Bezahlvorgang wird über ­einen von der Bank erstellten variablen Token realisiert und die Zahlung ist für den Kunden dem Händler und Apple gegenüber ­anonym.

Um Apple Pay als Bezahlfunktion im E-Commerce zum Einsatz zu bringen, ist für den Händler eine Integration in der Shop-Software erforderlich. Apple stellt hierfür alle erforderlichen Schnittstellen bereit und auch Payment-­Service-Provider bieten oftmals bereits fertige Integrationsmöglichkeiten an. Unternehmen wie Adyen, Datatrans und Stripe stellen Apple Pay als schlüsselfertige Komponente für eine Integration im E-Commerce zur Verfügung.

Apple Pay und Google Pay – Banken vs. Reichweite

Apple Pay stellt sich in unmittelbare Konkurrenz zu Google Pay. Seit Juni 2018 ist Googles Bezahldienst in Deutschland verfügbar. Auch Google Pay nutzt im stationären Handel die NFC-Schnittstellen der Kartenterminals sowie die Technologien von ­American Express & Co. Die technologischen Verfahren von Apple und Google sind hinsichtlich ihres Bezahldienstes identisch, doch beide verfügen über einen Vor- und Nachteil. Während die Reichweite der Smartphones, die Google Pay nutzen können, höher ist als jene bei Apple, sieht das Bild bei den teilnehmenden Banken anders aus. Google Pay wird bisher von weniger Geldinstituten unterstützt als Apple Pay, auch wenn die Zahl der Partner des mobilen Bezahldienstes wächst.

Vorteile für Kunden und Händler

Zahlungen mit dem mobilen Bezahlsystem überspringen den kompletten Checkout-Prozess und machen umständliche Registrierungen überflüssig. Für den Kunden gilt: Im Checkout lediglich Apple Pay auswählen, Bestellung prüfen und den Kauf mittels ­Touch- oder Face-ID bestätigen. Der Dienst knüpft dann an Funktionen wie 1-Click-Buy von Amazon oder Paypal Express an, allerdings ganz ohne Login-Prozedur – und ist in allen Kanälen verfügbar. Somit profitiert der Kunde von blitzschnellen Prozessen.

Doch auch für die Händler lohnt sich Apple Pay, denn der Bezahldienst lässt sich einfach integrieren und zieht keine Transaktionsgebühren nach sich. Durch die Verwendung von Tokens wird Betrügern Einhalt geboten. Mit dem Bezahldienst agieren Händler zukunftsorientiert und erreichen eine höhere Conversion-Rate bzw. breitere Zielgruppe. Schnellere, einfachere Bezahlvorgänge versprechen mehr Umsatz und eine Stärkung der Kundenbindung.

Sven Eulberg
About 
Sven Eulberg ist einer der Gründer und Geschäftsführer der netclusive GmbH. Als Technik-Geek ist er immer auf der Suche nach Innovationen und Trends.